Die Plusenergie-Halle

Die einzigartige Sanierung mit Passivhauskomponenten ermöglicht einen energieeffizienten Betrieb unter Einhaltung modernster Ökostandards und macht das Westbad Leipzig zu einer echten Plusenergie-Veranstaltungshalle.

Sanierung mit Passivhauskomponenten zum energieeffizienten Betrieb: am Beispiel einer denkmalgeschützen Schwimmhalle der Bauhauszeit (1926-1929), die in eine Multifunktionshalle für bis zu 1000 Besucher umgewandelt wurde, sollte durch die technische Gebäudeausrüstung innerhalb einer gut gedämmten Baukonstruktion nachgewiesen werden, daß auch bei bestehendem Denkmalschutz und unter den Auflagen einer Versammlungsstätte ein sehr niedriger Primärenergieaufwand im Betrieb entsteht und durch den Einsatz einer PV-Anlage überkompensiert wird. Die Großveranstaltungen bis 1000 Besucher sind zeitlich vorhersehbar und können beim Energie-Zeit-Management entsprechend eingeplant werden.

Die Komponenten sind: PV-Anlage | Wärmepumpen | Eis - Pufferspeicher | Lüftungsgerät | Umluftkühlgeräte | Heizung

1. PV-Anlage

Die PV Anlage (Solaranlage) mit einer Leistung 27 KW peak erlaubt den Betrieb einer Wärmepumpe, die Vorratskälte an einen Eis-Pufferspeicher abgibt und zeitversetzt zur Kühlung der Veranstaltungen zur Verfügung steht. Der Stromüberschuss der Solarmodule wird in das Verbrauchernetz eingespeist.

 2. Wärmepumpen

Die Wärmepumpen machen die Umwandlung von elektrischer Energie in Form von aus dem PV-Feld gewonnener Sonnenenergie in Kälte mit einer Arbeitszahl von 2,5 möglich. Die Abnahme von Energiespitzen z.B. aus Windkraft und Einpufferung als Kälteenergie ist zeitversetzt zum Verbrauch möglich.

 3. Eis - Pufferspeicher

Die Eis- Pufferspeicher sollen die Kühlleistung der Wärmepumpen über z.B. drei Sonnentage aufnehmen können. Die im Pufferspeicher gespeicherte Kühlenergie kann als Kühlleistung von 100 – 150 KW problemlos dem im Gebäude installierten Kältenetz zur Verfügung gestellt werden.

 4. Lüftungsgerät

Es gibt 2 Lüftungsgeräte im Haus. Eines ist für die große Halle und eines für das Foyer und den Saal im EG bestimmt. Das Lüftungsgerät im Dachraum verfügt über eine Wärmerückgewinnung von ca. 80% bei 12.000 m3/h Frischluftzustrommaximum. Der Frischluftzustrom wird dem CO2-Gehalt der Luft in der Halle nachgeregelt. Das andere Lüftungsgerät hat einen Wärmerückgewinnungsgrad von ca. 90% bei 3.000 m3/h.

 5. Umluftkühlgeräte

Durch Umluftkühlgeräte wird die Hallenluft bei Bedarf gekühlt. Dies geschieht durch eine Verteilung der Umluftkühlung auf die Raumecken bzw. über den Grundriss. Die Lüftungsströme der Frischluftgeräte können im Umluftbetrieb zur besseren Durchmischung eingesetzt werden.

 6. Heizung

Die große Halle wird im Umluftbetrieb beheizt. Das EG hat statische Heizflächen wie Fussbodenheizungen und Heizkörper mit einer 50/30 Grad Auslegung. Der Niedertemperaturbedarf der Heizflächen paßt zu dem Temperaturniveau, das die Wärmepumpen erzeugen können. Eine Gastherme wird zu Verbesserung der Arbeitszahl bei Minusgraden erforderlichenfalls zugeschaltet.

Energiekonzept

Energieausweis

Spuren einer Epoche

In den Jahren 1928 bis 1930, zur Zeit der wirtschaftlichen Rezession, entstand im Leipziger Westen eine sehr moderne Schwimmhalle. Geplant wurde das Gebäude durch den bekannten Bauhaus-Architekten und seinerzeitigen Stadtbaudirektor Hubert Ritter.

Es ist eines der bedeutendsten Bauwerke seiner frühen Schaffensepoche.

Eine Baulücke zwischen der Markt- und der Odermannstraße bot den Platz für das Bauvorhaben. Auf der Seite der Marktstraße ist ein Uhrturm zu erkennen, dessen signalhafte Wirkung bis heute zum Westbad gehört.

Unmittelbar am Lindenauer Markt wurde so auf beengtem Raum zwischen Gebäuden der Gründerzeit, aber im klaren Gegensatz dazu, eine moderne Schwimmhalle einschließlich der dazu gehörenden Einrichtungen geschaffen, die an die Tradition der Volksbäder der Jahrhundertwende anknüpfte und bis heute als vorbildlich gelten kann.

Insgesamt wurde mit dem Bauwerk eine Multifunktionalität angestrebt, die Wettkampfsport, schulischen Schwimmunterricht und öffentlichen Badebetrieb beinhalten sollte. Das Gebäude wird strukturell beherrscht durch die Schwimmhalle mit dem großen Becken - den heutigen Veranstaltungssaal - dessen Boden zugleich die Deckenkonstruktion des darunter liegenden, kleineren Schwimmbeckens bildet. Dieses frühere Lehrbecken wird durch den Gesundheitssportverein heute wieder als Kinder- und Therapiebecken genutzt. 

Im Jahr 1990 mußte das Bad aufgrund einer veralteten Haustechnik sowie der sanierungsbedürftigen Bausubstanz geschlossen werden. Erste Gebäudeteile an der Markstraße konnten später umfassend saniert und im Jahr 2003 zunächst als Gesundheitszentrum eröffnet werden. Der zur Odermannstraße hinausgehende Teil, der die Schwimmhalle beinhaltet, wird Ende März 2014 fertiggestellt sein.